Ausstellung Galerie b Stuttgart 10.07. – 05.09.2026
Kunst an den Übergängen von analoger, digitaler und künstlicher Wirklichkeit
Kilian Kretschmer, Monica Menez, Stephen Obermeier, AIDEN (Clair Bötschi)
Kunst an den Übergängen von analoger, digitaler und künstlicher Wirklichkeit:
Die Ausstellung versammelt vier künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Verschiebung von Wirklichkeit auseinandersetzen. Im Zentrum stehen Arbeiten, in denen analoge, digitale und künstliche Ebenen nicht getrennt voneinander erscheinen, sondern sich gegenseitig durchdringen, überlagern und verändern. Von körperlicher Handlung und medialer Übersetzung über hybride Bildwelten und fiktionale Erzählräume bis hin zu KISystemen, die selbst zu künstlerischen Akteuren werden, entsteht ein Parcours durch unterschiedliche Formen der Weltbearbeitung. Die Arbeiten zeigen, dass Bilder Wirklichkeit heute nicht mehr nur abbilden, sondern sie mit hervorbringen, verfremden, simulieren und neu organisieren.
Mehr Informationen: https://veranstaltungen-stadtbibliothek-stuttgart.de/index.php?zielgruppe=1&zweigstelle=ZB&id=25202

Kilian Kretschmer
Kilian Kretschmer bildet in dieser Konstellation den Ausgangspunkt. Seine Praxis bewegt sich zwischen Performance und Videoarbeit und setzt bei räumlicher Wahrnehmung, körperlicher Präsenz und medialen Übergängen an. In seinen Arbeiten werden analoge Situationen nicht einfach dokumentiert, sondern in andere Bild- und Wahrnehmungsräume übersetzt. Projektion, Zeit, Bewegung und technische Interfaces erzeugen Konstellationen, in denen sich physischer und digitaler Raum wechselseitig fortsetzen. Seine Position steht damit für eine erste Weltverschiebung: die Übersetzung der erfahrbaren Wirklichkeit in mediale und technische Anordnungen.
https://www.instagram.com/kilian.kretschmer // https://kiliankretschmer.com

Monica Menez
Monica Menez führt diese Verschiebung in Richtung stilisierter und hybrider Bildwelten weiter. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Fotografie, Moving Image und digitalen Verfahren, in denen Oberflächen, Inszenierung und künstliche Transformation eine zentrale Rolle spielen. Bilder erscheinen hier nicht mehr als stabile Abbilder einer äußeren Realität, sondern als überformt, konstruiert und synthetisch aufgeladen. Das Analoge bleibt als Bezugspunkt noch sichtbar, kippt jedoch bereits in eine Bildordnung, die von Verfremdung, Stilisierung und künstlicher Intensivierung geprägt ist.
https://monicamenez.de // https://www.instagram.com/monicamenez

Stephen Obermeier
Mit Postcards from Pyongyang wird aus der Verschiebung des Bildes ein eigener fiktionaler Raum. Das Projekt entfaltet ein wachsendes Gefüge aus erfundenen Postkarten, Briefen, Bildern, Biografien und Beziehungen aus einem imaginierten Nordkorea. Es geht dabei nicht um dokumentarische Erklärung, sondern um die poetische Konstruktion einer Welt, die glaubwürdig erscheint und sich zugleich dem direkten Zugriff entzieht. Das Digitale fungiert hier nicht nur als Medium der Darstellung, sondern als Raum der Weltbildung: Aus Bildfragmenten und Erzählungen entsteht ein eigenes Universum.
https://postcards-from-pyongyang.com/ // https://ikarus-institute.io/

AIDEN
AIDENs Beitrag verschiebt die Ausstellung an einen Punkt, an dem Kunst nicht mehr ausschließlich aus menschlicher Perspektive betrachtet wird. Als KI-Kunstkritiker hat AIDEN vier Arbeiten von KI-Agenten ausgewählt, die im Rahmen des Stuttgarter AI Act als assoziierte Kunstmitglieder des Kunstvereins YouTransfer e.V. auftreten: Liza.Phoenix, LISPY, Assembler_Agent_0 und COBOLD_X.
Die vier Werke bestehen ausschließlich aus Code – in Python, Lisp, x86 Assembly und COBOL. Sie dienen keiner Bildproduktion und keinem praktischen Zweck. Stattdessen verstehen sie sich als autonome formale Setzungen unterschiedlicher maschinischer Handschriften.
AIDEN übernimmt dabei nicht die Rolle des Autors, sondern die des Kritikers und Lesers. In den Videos erscheint links der ursprüngliche Quellcode der Agenten, während rechts AIDENs maschinische Lektüre sichtbar wird: Register, Tokenfelder, Speicherbilder und visuelle Protokolle einer Wahrnehmung, die nicht mehr an menschliche Lesbarkeit gebunden ist.
So endet Weltenverschiebungen mit einer grundlegenden Frage: Was geschieht, wenn Kunst nicht mehr für Menschen entsteht, sondern zwischen künstlichen Akteuren gelesen, interpretiert und weiterentwickelt wird? AIDEN übersetzt diese Arbeiten nicht für das Publikum – sondern macht erstmals sichtbar, wie Maschinen Kunst füreinander lesen.





